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Revolutionen in der Falle

Foto Wolfgang Sünderhauf /Umbruch Bildarchiv - Mauerfall, Berlin 1989

Foto: Wolfgang Sünderhauf /Umbruch Bildarchiv – Mauerfall, Berlin 1989

Eine Falle geht gerade mal auf, ein Volk gibt der maroden SED-Diktatur den Rest, da steht die nächste Falle schon bereit. Das Scheitern der DDR-Diktatur wurde häufig mit Scheitern des Sozialismus an sich gleichgesetzt, also konnte die Alternative nur Kapitalismus sein. Die Fotoserie des Umbruch-Bildarchiv-Mitarbeiters Wolfgang Sünderhauf zeigt viele lachende Gesichter der Menschen, die 09.November.1989 durch die bislang bedrohlichen und versiegelten Grenzen zwischen Berlin Ost und West strömten. Das Coca-Kohl-Transparent könnte ein hintergründiger Witz, eine Anspielung auf Billy Wilder’s Kapitalismus-Kommunismus-Nachkriegszeit-Komödie „Eins, Zwei, Drei“ sein, oder es war Voraussicht, dass die Sowjetunion als eine Macht des Kalten Krieges lediglich von deren Gegenspieler USA abgelöst werden würde. Auch an der arabischen Revolution zerren Kräfte mit eigennützigen Absichten. Der Blog „Africa is a country“ zitierte April 2012 die ägyptische Frauenrechtlerin Nawal el-Sadaawi, sie sei besorgt um die Revolution, sie hätte das Gefühl, sie würden gegen Mächte wie Israel und America kämpfen, Saudi-Arabien würde Salafisten und Fundamentalisten mit Milliarden unterstützen, um zu bewirken, dass alle sich Mubarak zurückwünschen. „Die Revolution muss weitergehen“, sagte auch der Deutsch-Ägpyter Hamed Abdel-Samad gegenüber Focus. Revolutionen können gekippt werden oder kippen: Waren es die Roten Khmer in Kamobdscha 1975-79 oder die Französische Revolution von 1789, die „ihre Kinder fraß“. Anderes Beispiel Kuba: Hier wollten US-Regierungen mit ihrem Embargo einen Machtwechsel erzwingen, die entsprechende Gesetze hießen beispielsweise „Demokratisierungs- oder Freiheitsgesetz“, und die Regierung Obama lässt nur langsam locker. Probleme haben die Kubaner_innen auch mit der eigenen Regierung. Amnesty International berichtet ebenso über China. „Peking fürchtet den Revolutionsfunken“, titelte der SPIEGEL Februar 2011 und bezeichnete die arabische Revolution als Ansporn für Chinas Opposition. Auf der 47. Münchener Sicherheitskonferenz hatte sich laut WELT ONLINE niemand für den sofortigen Abschied Mubaraks ausgesprochen, zu groß sei die Angst vor Chaos und Muslimbrüdern in Ägypten, vom „guten Freund Mubarak“ war auch die Rede. „Menschenrechtsgruppen protestieren, die Kanzlerin schweigt“, so FOCUS-MONEY Online April 2012, als die Kanzlerin mit dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao die Hannover Messe eröffnete. Diese genannten Beispiele werfen ein paar Lichter darauf, wie es um die Unterstützung für Demokratiebewegungen weltweit bestellt ist: Mal so, mal so, und je nachdem. Mai 2012 sprachen bei den Frankfurter Blockupy-Protesten auch Aktivisten der tunesischen Revolution, und Occupy bezieht sich umgekehrt auch auf die arabische Revolution.

von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 25. Mai 2012
Themen - Kategorien: Gesellschaft, Kommentare, Politik - Deutschland, Politik - International, Weltweit, Wirtschaft
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