Creative Commons LizenzvertragSendungen, Artikel: CC BY-NC-ND 3.0 DE | D. O. abonnieren (RSS) | 15-Sep-2019 - UTC

Sendung 01./02.Juli 2012: Geschäft mit Kriegen, Chemie, patentierten Cash Crops und Ackerland. Konzerne und ihre Verbindungen

Das Verbindungsstück heißt Monsanto. Auf die NS-Zeit bezogen gilt das nicht zuletzt auch für Bayer, siehe u. a. Infos des Arbeitskreises IG Farben (bei der Bayer Mitglied war) der Bundesfachtagung Chemie im Artikel „Von Anilin bis Zwangsarbeit“. Bayer verdiente mit Giftgas und später mit Zyklon B, Monsanto mit dem Entlaubungsmittel Agent Orange, über dessen Folgen der Verein der Vietnamesen in Hannover und Umgebung bei einer Veranstaltung berichtete. Agent Orange schädigte Generationen, zerstörte Gesundheit oder sogar Leben, und wirkt noch heute bis in die Gene. Und wo es eingesetzt wurde, „wächst nichts“. Sybille Leonhardt berichtete, dass es auch zu Bodenerosion auf den zerstörten Flächen kam.

Die beiden Konzerne gründeten 1954 die „Mobay Chemical Corporation. Zwei Jahre zuvor war die IG Farben zwar entflochten worden, doch die Aktien wurden weiter gehandelt. Informationen zur IG Farben, Stand 1966 HIER, auch zu weiteren Mitgliedern wie BASF, Hoechst, Agfa.

Kooperationen zwischen Agrarkonzernen sind dafür, dass sie und ihre Tochterfirmen eigentlich als Konkurrenten auf dem Markt sind, relativ häufig. HIER ein Beispiel von vielen, Monsanto – BASF. 2016 wurde berichtet, dass Bayer plant, Monsanto zu übernehmen, und dass konkrete Verhandlungen laufen (so der letzte Stand vom August 2016).

Was hat das mit Landwirtschaft zu tun?

Nur so viel, dass Lebensmittel, Cash Crops und Ackerland ein sehr gutes Geschäft sind. Monsanto, Bayer, BASF, Syngenta, DuPont Pioneer und weitere sind sowohl Chemie- als auch Agrarkonzerne, die mit Saatgut, speziell mit patentiertem Saatgut, ihre Gewinne einfahren. Sie vertreten eine agrarindustrielle, konventionelle Landwirtschaft in ganz großem Maßstab. Obwohl Kulturpflanzen und Tierrassen durch die Züchtungsarbeit zahlloser Bauerngenerationen entstanden sind, werden heute Patente auf Pflanzen und Tiere erteilt. Die o. g. Konzerne können reihenweise Patenpflanzen anmelden. Kreuzen sich patentierte Pflanzen durch Bestäubung, Wind oder durch Rückstände in Transportfahrzeugen auf fremden Feldern ein, ist der Bauer dort gefährdet. Es ist schon mehrmals geschehen, dass betroffene Bauern in einen harten Rechtsstreit um angebliche Patentrechtsverletzung verwickelt wurden. Imker sind genauso wenig sicher davor, dass ihr Honig genveränderte Bestandteile enthalten kann und sie ihn dann nicht mehr so vermarkten können, wie sie es wollen.

Im Wettlauf um Ackerland müssen Landwirte mit solchen Konzernen und inzwischen noch dazu mit Investmentgesellschaften konkurrieren. Obwohl es durchaus Berichte darüber gibt, dass einige Kleinbauern den Anbau genveränderter Cash Crops wie Soja, Baumwolle etc. positiv sahen, sind die negativen Folgen dieses Geschäftsmodells unübersehbar: Vertreibung von Kleinbauern, Umweltschäden durch diese Art der Landbewirtschaftung, Resistenzen gegen chemische Pflanzenschutzmittel mit der Folge, dass nur mehr, neue oder stärkere Mittel eingesetzt werden müssen.

Der Dokumentarfilm „Raising Resistance“ von Bettina Borgfeld und David Bernet zeigt, wie hart die Situation für Bauern in Paraguay war, nachdem das Land buchstäblich „sojaisiert“ wurde. Bauern wie Geronimo Arevalos waren von Sojafeldern regelrecht eingerahmt, es wurden Chemikalien auch bei Wind gespritzt – gegen die nur die transgene Soja resistent war und die auch noch gesundheitlich schädliche Folgen hatten. Die Bauern wurden vertrieben, ihre Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen. Die Bauern sorgen sich nicht nur um sich selbst, sie sorgen sich genauso um die Zukunft der Landwirtschaft. Denn sie wissen noch, wie man Nahrung anbaut … Die beiden Regisseure sagten in Interviews, dass in Asien oder Afrika dasselbe Muster abläuft. Das bestätigen viele weitere Quellen.
Da in dem Film auch ein Mitarbeiter der Obama-Regierung, Roger Beachy, interviewt wurde, hat der Film nochmal eine politische Bedeutung. Beachy ist Biotechnologe und Gentechnik-Lobbyist.

Sendung anhören oder runterladen. Länge: 25:13 Min. / 37,3 MB

O-TÖNE: aus dem Dokumentarfilm „Raising Resistance“, Bettina Borgefeld, David Bernet, Dreamer Joint Venture. Außerdem: Verein der Vietnamesen in Hannover und Umgebung – Eva Nguyen, Sybille Leonhardt und Karel Phung vom Sender KBCHN kbchn.net.
Sendung: Sylvia Schmidt / Demokratie Online, 2012. CC BY-NC-ND. demokratie-online.net + demokratie-online.info seit Aug. 2016.

Weitere Informationen: +++ HIER Informationen zu Spätfolgen von Agent Orange in Vietnam, und zu Monsanto’s Aktivitäten im Bereich chemischer Pflanzenschutzmittel und Saatgut. +++ mehr zum Film „Raising Resistance“ im D. O.-Artikel vom 04. April 2012. Im Film äußerte sich auch Roger Beachy, u. a. Monsanto- und Obama-Mitarbeiter, zu Soja.  Er stellt Soja praktisch als alternativlos dar, und die transgene Soja hätte das „nicht Perfekte“ an der Sojapflanze verbessert. Gemeint war, dass nach Beachy’s Ansicht Roundup-Ready-Soja (mit Glyphosat-Resistenz) keine Nährstoffkonkurrenz durch andere Pflanzen zu befürchten hätte. (Anm. D. O.: oberflächlich mag das so aussehen und eine Zeit lang funktionieren, nur auf ausgelaugten und durch schwere Maschinen verdichteten Böden gibt es sehr wohl Nährstoff- und Versorgungsmangel. Biodiversität und bestäubende Insekten werden durch die Chemikalien geschädigt, zumal Flächen deckender Anbau in Monokulturen Landschaft und das Leben darin zusätzlich ausdünnen. Und sowohl Unkräuter als auch Schädlinge entwickeln mit der Zeit Resistenzen gegen die Wirkstoffe der chemischen Pflanzenschutzmittel. Weniger diskutiert werden außerdem die Gefahren durch Zusatzstoffe und Kombination von Chemikalien in den Pflanzenschutzmitteln. Ein weiteres Thema wären die so genannten Kunstdünger – dies wird an anderer Stelle näher behandelt).
… und noch eine Ergänzungen: auch im besetzten Irak spielte Monsanto eine Rolle, Stichwort „Lex Monsanto“, Erlass 81.

HIER Informationen der philippinischen Organisation von Bauern und Wissenschaftlern MASIPAG zu den Aktivitäten mehrerer Konzerne (Monsanto, Syngenta) auf den Philippinen. Zum so genannten Golden Rice, obwohl es auch auf den Philippinen natürliche und frei verfügbare Betacarotin-Pflanzen gibt. Aktuell, Stand Feb. 2016: neben Reis, der in asiatischen Regionen heimisch ist, sind weitere traditionell bekannte Nutzpflanzen der Philippinen gefährdet, mit Patenten vereinnahmt zu werden …

Im Januar 2016 widerrief das Europäische Patentamt EPA ein Melonen-Patent von Monsanto, gegen das auch die indische Regierung geklagt hatte. Stichwort Biopiraterie …

DIESE ANGABEN HIER vom März 2015 zur Ukraine-Krise lassen zumindestens aufhorchen: neben russischen Investoren sind auch Monsanto, Cargill und DuPont (alle drei aus den USA) sehr interessiert an ukrainischem Ackerboden. Im verlinkten Artikel wird angedeutet, dass Landgrabbing durch die westlichen Konzerne auch vom IWF und von der Weltbank gefördert worden sein soll, indem Kredite an Bedingungen auch im Bereich Landwirtschaft geknüpft wurden.

Wie Monsanto bereits vorgegangen ist, zeigte der Fall der kanadischen Rapsbauern Percy und Louise Schmeiser, ein Interview von Democracy Now! aus dem Jahr 2010 HIER. Weitere Informationen zu den Praktiken HIER in einer weiteren D. O.-Sendung, siehe Dokumentarfilm „Tote Ernte“.

Hinweis zum Stichwort Drogen, ein Geschäft und zugleich eine andere Art von Krieg: Diacethylmorphin oder Heroin wurde zuerst von BAYER hergestellt.

Dieser Artikel wurde im September 2016 überarbeitet. Zum Thema Landwirtschaft gibt es auf D. O. weitere Artikel und Sendungen unter der Kategorie oder dem Stichwort „Landwirtschaft“.

von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 2. Juli 2012
Themen - Kategorien: D. O. - Sendungen, Podcasts, Gesundheit, Landwirtschaft, Ernährung, Notrufe, Kriege, Krisen, Politik - International, Umweltschutz, Verbraucher - Info, Wirtschaft
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