Creative Commons LizenzvertragSendungen, Artikel: CC BY-NC-ND 3.0 DE | D. O. abonnieren (RSS) | 26-Aug-2019 - UTC

Deutsche Medien – „Eine Zensur findet nicht statt“

© 2007 Hessischer Rundfunk hr, Frankfurt a. M., Bild CC-BY auf Wikimedia Commons

© 2007 Hessischer Rundfunk hr, Frankfurt a. M., Bild der „Goldhalle“, die ursprünglich Vorraum zum Bundestags-Plenarsaal werden sollte. CC-BY auf Wikimedia Commons

Die ist wahrscheinlich kaum noch nötig. Zeitungen dünnen aus oder gehen ein, überregionale Mantelteile werden zugekauft, d. h. auch Nachrichten. Die Axel Springer AG und der Bertelsmann-Konzern werden bestimmte Dinge in ihren sehr zahlreichen Medien schon im Vorfeld vermeiden, hier eine Übersicht der Bertelsmann-Wirtschaft-Politik-Verflechtungen, und hier die Gästeliste des „WELT“-Wirtschaftsgipfels 2011. Listen der von den Landesmedienanstalten lizenzierten, aktiven TV- und Radiosender bedürfen keiner weiteren Kommentierung, und die zur Quotenermittlung i. d. R. beauftragte agma ist vor allem eine der Werbung verpflichtete Institution, ähnlich der GfK, die TV-Quoten ermittelt.

Was ist mit dem Programm der öffentlich-rechtlichen Medien geschehen? Ein Beispiel von mehreren: als der Hessische Rundfunk, dessen Goldhalle im Bild zu sehen ist, die HR3-Autorensendung „Der Ball ist rund“ unter Protest aus dem Programm nahm, geschah das im Namen der Mitte, des Mainstreams, und der Durchhörbarkeit. Letztere ist ein Marketing-Konzept, mit Corporate Identity, Firmenidentität oder Marke, vergleichbar. Mit dem Artikel „Occupy WDR“ veranlassten die NachDenkSeiten den WDR-Hörfunkdirektor zu einer Reaktion, und die Autorin des Occupy-Artikels wiederum zu einer Gegenreaktion. Unter anderem hatte sie das Musterhörer-Ehepaar Hans und Brigitte vorgestellt – Reihenhaus, Opel Vectra, er mit leichtem Übergewicht, sie mit gelegentlicher Migräne, er in der Erotik „aufgeschlossen, aber diskret“ … . Vom „Medien Monitor“ erfuhr man außerdem, dass sie mitten im Leben stünden, an Reisen und Freizeitaktivitäten interessiert sowie berufstätig seien (im Sinne von bezahlt berufstätig). Soweit also nicht ungewöhnlich, aber: Wortbeiträge würden für sie, Zitat WDR4 „… so ins Programm eingebunden, dass sie nicht stören. Wir verzichten auf großartig schwierige und komplexe Hintergründe.“

2008 hatte laut „Presseclub Dresden“ der MDR-Rundfunkrat (hier aktuelle Mitgliederliste) über Jump und Sputnik diskutiert. Sputnik ist Nachfolger des DDR-Jungendsenders DT64, dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil man Sputnik beim MDR Jugendlichen zuordnet, die „ihren Weg noch finden“ müssten. Jump wurden rein technisch größere Reichweiten ermöglicht, und das Zielpublikum seien „erlebnis- und leistungsorientierte junge und moderne Erwachsene“, die keinen „jugendlichen Träumen mehr nachhängen“. Doch auch sie verkraften wohl keine Wortbeiträge – die Jump-Website spricht zur Zeit hauptsächlich vom Wetter und vom Spaß, die Nachrichten sind Eins Dreißig lang, überregionale Beiträge wurden von der ARD-Tagesschau übernommen. Ein Vergleich mit Privatsendern wie Hit Radio Antenne, FFN, u. v. a. lässt wenig Abweichungen erkennen. Senderweit wurde besonders das Programmformat „AC“, adult contemporary durchgesetzt, d. h. erwachsen-modern. Ein weiterer Hörer-Prototyp, der nicht näher definierte „Berufsorientierte“, macht seit längerer Zeit von sich reden.

Was ist mit dem verbleibendem Rest an Informationen? Der ist möglicherweise mit Vorsicht zu genießen. Hörfunkjournalisten- und RadiomacherInnen lüften auf fair-radio.net ein Geheimnis: Live-Interviews sind nicht immer Live-Interviews.


Anm. D. O. 03.08.13: Albrecht Müller, Co-Initiator der NachDenkSeiten, Volkswirt und u. a. ehemaliger Leiter der Planungsabteilung unter Willy Brandt / Helmut Schmidt (SPD), warnte im SPIEGEL Online-Interview von 2009 vor Lobbyismus und sagte: „Wenn es mal einen kritischen Beitrag gibt, rufen sofort die Mahner vom BDI oder der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beim Intendanten an.“ (obwohl Bertelsmann über Gruner + Jahr am SPIEGEL-Verlag eine Sperrminorität hat, also Entscheidungen verhindern kann, konnte Müller sich hier kritisch zu Bertelsmann äußern. Eine Verflechtung zeigt sich möglicherweise eher zwischen den Zeilen der Artikel …).


Ergänzung D. O. 30.08.2013: Über die Sonderstellung der Axel Springer AG, bzw. der Bild-Zeitung drehte die ARD eine aufschlussreiche Dokumentation. Interessant ist auch die Verbindung AWD / Carsten Maschmeyer einerseits zur Politik und zur Bild-Zeitung, hier die Infos vom Bildblog. Schließlich hatte, bzw. hat auch Béla Anda, der Ex-Regierungssprecher von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sowohl beim AWD als auch bei der Bild wichtige Positionen inne.
Und: der Wechsel vom „Bild“-Vize Nikolaus Blome zum SPIEGEL scheint so gut wie durchgewunken zu sein, die Tochter des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein hält das für einen Skandal und sagte laut kress Mediendienst, ihr Vater hätte „diese Personalie niemals durchgehen lassen“. Augstein’s Erben seien sich allerdings uneins, und Blome werde nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, stellvertretender Chefredakteur des SPIEGEL, sondern „Mitglied der Chefredaktion“ und Leiter des Hauptstadtbüros.


Ergänzung D.O. 28.01.2014: „bestechlich sind immer nur die anderen“ – korrumpierter Journalismus in Deutschland. Eine Studie (Info vom „Netzwerk Recherche“)

von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 2. August 2013
Themen - Kategorien: Gesellschaft, Medien, Politik - Deutschland, Verbraucher - Info, Wirtschaft
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