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Nicht fragen. Machen!

ehemaliger US-Präsident George W. Bush 2004 im Camp Pendleton. PD, anonymer US-Mariner. Wikimedia Commons

ehemaliger US-Präsident George W. Bush 2004 im Camp Pendleton. PD, anonymer US-Mariner. Wikimedia Commons

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Es ist unwahrscheinlich, dass diese Soldaten von echten Bildern des Krieges nichts wussten. Doch „der Schurke aus Crawford“ hat Oktober 2001 „Millionen arglosen Amerikanern das genaue Gegenteil“ von dem erzählt, „was die CIA sechs Tage zuvor (…) berichtet hatte“, so Ex-Staatsanwalt Vincent Bugliosi in seiner „Anklage wegen Mordes gegen George W. Bush“. Bush habe im Irakkrieg nicht nur den Tod von 4000 Soldaten zu verantworten, sondern auch den von 100.000 Irakern. Bush unterstellte Hussein eine Verbindung zu den Anschlägen, und Hussein sei eine „unmittelbare Bedrohung“ für die USA. Beides beruhte mehr auf Wunschdenken als auf Beweisen. Der Sturz Saddam Husseins war schon „lange vor dem 11. September erklärtes politisches Ziel“. Unter anderen die Journalisten Anthony Summers und Robbyn Swan dokumentierten, wie hartnäckig die US-Regierung versuchte, eine Linie zwischen Saddam Hussein, 9/11 und al-Qaida zu ziehen, sie konnten sich auch auf den früheren FBI-Terrorabwehrchef John O’Neill berufen, der gesagt hatte: „Alle Antworten, alle Fährten, die uns erlaubt hätten, Osama bin Ladens Organisation zu zerschlagen, lagen in Saudi-Arabien“. Dem Irakkrieg von 2003 waren zwei Golfkriege vorangegangen, befeuert nicht nur durch Öl-Interessen, sondern auch Geostrategie aller beteiligten Regierungen, und im ersten Golfkrieg hatten die USA Saddam Hussein sogar noch gegen den Iran unterstützt.
Die Vorgeschichte des US-Angriffs auf Afghanistan 2001 ist auffallend ähnlich: zwischen den Präsidenten aus der Familie Bush und der Saudi bin-Ladin Group bestanden genug Drähte, und Osama bin Laden war als Mudjahed Gegner der UdSSR, die in Afghanistan einmarschiert war. Er stand damit für die CIA auf der richtigen Seite – aber bin Laden war auch ein radikaler, gewaltbereiter Fundamentalist. Nach Vertreibung der Roten Armee aus Afghanistan entschieden die fundamentalistischen Taliban den Bürgerkrieg der ehemaligen Bündnispartner für sich, gegen die Nordallianz, die wiederum 2001 mit Hilfe der USA / NATO die Taliban stürzten, deren Führung um Mullah Omar nach Pakistan floh, dessen Regierung aber ebenfalls geostrategische Interessen verfolgte – gegen die Nordallianz. Thomas Ruttig, CO-Direktor des „Afghanistan Analysts Networks“ spricht Dari und Paschto, er hat in Afghanistan und Pakistan gearbeitet. Für die taz erklärt er die Unterschiede zwischen den afghanischen Taliban und der global agierenden al-Qaida. Auch den haben die US-Regierungen offensichtlich ignoriert. Es gäbe keine Afghanen in der al Qaida-Führung, und keine Araber in der Kommandostruktur afghanischer Taliban, so Ruttig.

Sowohl im Irak als auch in Afghanistan, wo 2001 der sogenannte „globale Krieg gegen Terror“ begann, setzte das US-Militär Uranmunition ein, bei deren Anwendung hochgiftiger Uranstaub frei wird, der Umwelt, Gesundheit und Gene massiv schädigt – hier mehr Info der Juristenorganisation IALANA, mit Verweis auf die Ärzteorganisation IPPNW. Mohammed Daud Miraki berichtet in seiner „Afghanistan after Democracy“-Dokumentation u. a. darüber. Das „Afghanische Tagebuch“ der ARD zeigt einen Teil der afghanischen Zivilgesellschaft, die den ISAF-Einsatz rückblickend etwas anders beurteilt als die deutsche Friedensbewegung. Die Sendung „Hier spricht Afghanistan“ (s. Liste) von „Generation Kunduz“-Regisseur Martin Gerner hingegen wurde von Deutschlandradio Kultur sehr spät abends gebracht und steht Feb. 2014 nur befristet als umständlich erreichbare Audiodatei bereit. Afghanistan-Korrespondentin Kate Clark wurde darin zitiert, Clark sagte, vor dem Krieg seien ihr als Person aus dem Westen eher gute Absichten unterstellt worden. Das ist umgeschlagen. Und Irak? Hier ein paar irakische Stimmen, gesammelt von der Deutschen Welle. Ähnlich wie in Afghanistan, pendeln die Meinungen zum US-Krieg zwischen Invasion, Befreiung und Besatzung. Also doch besser: erst fragen. Dann machen.


Aktualisierung + Ergänzung D.O. 07.02.2014: Die US-Geheimdienste spürten Osama bin-Laden in Pakistan auf – „der Schütze“ tötete den Chef der al-Qaida im Mai 2011 (heute muss er, wie andere Veteranen in den USA auch, um sein materielles Überleben kämpfen). Der US-amerikanische Dokumentarfilm „Living under Drones“ zeigt die Auswirkungen von Kampfdrohneneinsätzen auch auf die pakistanische Zivilbevölkerung. Als sich im Vorfeld des Irakkrieges Ex-Kanzler Schröder zumindestens offiziell ablehnend äußerte, wurde er von der NSA ausspioniert, wie die ab 2013 intensivierten Recherchen zur NSA-Spähaffäre ergaben. Und: der NATO-Standort Kalkar in Deutschland trug zum Irakkrieg bei.


Ergänzung D.O. 21.02.2014: Notizen des ehemaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, einem der maßgeblichen Architekten des sogenannten „Krieg gegen den Terror“, sammelte Errol Morris in seiner Rumsfeld-Biografie „The Unknown Known“ (wörtlich: das unbekannte Bekannte).

von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 6. Februar 2014
Themen - Kategorien: Notrufe, Kriege, Krisen, Politik - International, Wirtschaft
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