Creative Commons LizenzvertragSendungen, Artikel: CC BY-NC-ND 3.0 DE | D. O. abonnieren (RSS) | 15-Sep-2019 - UTC

Tally me Banana, Bundeswehr! Schieß‘ mir das Bananenbrot frei!!

SCREENSHOT-Collage mit Ausschnitten aus dem Bundeswehr / Marine-Video MARINE TRAILER BANANEN, youtube 15.07.2013. © Video Bundeswehr, Marine Trailer Bananen

SCREENSHOT-Collage Ausschnitte aus dem MARINE TRAILER BANANEN 15.07.2013. Video © Bundeswehr, ist über das Bild direkt verlinkt

ENGLISH description of this article and comment: german politics – our navy protects banana supply

Harry Belafonte’s „Banana Boat Song“ (DAAAY-O! … Come, Mr Tallyman tally me Banana …) basiert auf einem jamaikanischen Volkslied, das die Schauerleute am Hafen sangen, wenn sie Bananen verluden. Die Wirklichkeit hinter diesem Hit sah anders aus, das wusste auch Sänger Harry Belafonte – ein Weggefährte des US-Bürgerrechtlers Martin Luther King.

In einem PR-Video der Bundeswehr wird das, was der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler „Hass auf den Westen“ nannte, natürlich nicht thematisiert. Wie aber wird ein solches Video im Ausland rüberkommen? Wie kommt eine Botschaft an, die sagt, dass in Deutschland schon ein kleines Schmollmündchen genügt, unsere schwer bewaffnete Marine oder Bundeswehr loszuschicken?

Bananen kommen u. a. aus Costa Rica, der Dominikanischen Republik, aus Guatemala oder Jamaika zu uns. Ob Bananen, Kakao, Tee, Kaffee oder Rohstoffe (hier das Beispiel Indien – Bauxit): überall das gleiche Spiel der Ausbeutung. Informationen von Organisationen wie dem Pestizid Aktions Netzwerk, Dokumentarfilme wie „Bananera Libertad“ zeigen, was im Welthandel abläuft. Weil keineswegs alle mit diesen Praktiken einverstanden sind, entstand der faire Handel. Radio Dreyeckland sprach 2013 mit Kleinbauern aus Ecuador, die auch Bananen anbauen. Der gesamte faire Handel geriet allerdings selbst in die Kritik. Nur zum Teil lag das daran, dass inzwischen auch einschlägig bekannte Konzerne Fairtrade-Produkte verkaufen.

Es war der Gründer der US-amerikanischen „United Fruit Company“, der Bananen aus Jamaika in die USA gebracht hatte. Die UFC wurde zum Konzern mit gutem Kontakt zu US-Regierungen.

Screenshot Marine Trailer Bananen Video © Bundeswehr 2013

Screenshot Marine Trailer Bananen Video © Bundeswehr 2013, ist übers Bild verlinkt

So gut, dass die UFC 1954 im Verbund mit US-Regierung und Geheimdiensten in Guatemala die Regierung von Jacobo Arbenz Guzman stürzte. Seine „kommunistischen“ Reformen wurden wieder rückgängig gemacht. 2009 berichtete das Handelsblatt, die „forensische Ökonomie“ befasse sich mit solchen Staatsstreichen und Profiteuren, darunter auch dem Fall UFC (bzw. dem Verlauf des UFC-Aktienkurses).

Globalisierung hat Schattenseiten, die bekannt sind. Seit den 1950er Jahren hat sich erstaunlich wenig verändert. Doch was soll’s? „Viele beliebte Produkte kommen auf dem Seeweg zu uns. Die Marine sorgt dafür, dass sie ankommen können.“, begründete die Bundeswehr die Aussagen ihres „Marine Trailer Bananen“. PR-Botschaften der Bundeswehr müssen mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesregierung konform gehen. Zusammengefasst ist die Kernaussage, dass wir – Deutschland – uns Wohlstand, Ressourcen, oder eben Bananen, auch mal freischießen dürfen.

Was noch nicht versucht wurde, ist ein Branchen übergreifender, gerechter, partnerschaftlicher Welthandel.

+++++++++++ Blüten der Partnerschaftlichkeit, Corporate Social Responsibility etc. pp. im Welthandel: HIER das Beispiel Palmblattgeschirr, hergestellt in Indien. Die Firma, die dieses etwas ältere Video ins Netz gestellt hat, ist einer der Händler, die mit dem Direktimporteur aus der Schweiz zusammenarbeiten. Bei 3:30 Minuten wird’s interessant – Tageslohn des Arbeiters: 1,50€ („liegt über dem indischen Durchschnitt“)! – HIER Berichte der indischen Gewerkschaft NTUI (Hinweis: das Wort „militancy“ in der Überschrift bedeutet auch: Kampfgeist) ++++++++ HIER die Kalkulation Existenz sichernder Löhne für asiatische Länder (Quelle: ASIA FLOOR WAGE ALLIANCE) ++++++++++++++ KEINE ENTWICKLUNGSHILFE FÜR AGRARKONZERNE hatten INKOTA, OXFAM und FIAN dem BMZ gegenüber angemahnt, laut INKOTA habe das Ministerium die Unterschriftenübergabe in der Öffentlichkeit fälschlicherweise als „Partnerschaft“ mit den Organisationen dargestellt ++++++++++++++++++++++ ANDERERSEITS kann gut gemeinte Hilfe auch in Bevormundung umschlagen: BEISPIEL KINDERGEWERKSCHAFTEN in Lateinamerika. Was sie wollen, war nicht ein komplettes Verbot der Kinderarbeit, sondern dass die Arbeit weder ausbeutet noch Schulbesuch oder Gesundheit gefährdet. Inzwischen ist das z. B. in Bolivien gesetzlich geregelt. Dennoch bleibt Kinderarbeit natürlich umstritten ++++++++++++++++++++++++++++

Ergänzung D. O. 26.11.2014 zu den Gesichtern der Entwicklungspolitik und des partnerschaftlichen Welthandels: u. a. auf afronline.org finden sich mehrere Artikel, in denen es um einen „boost“, einen Auftrieb für die Landwirtschaft und speziell Kleinbauern geht. Organisationen wie IFAD scheinen eine Win-Win-Situation anzustreben, doch was PPP oder das Dasein als Vertragsbauer z. B. in Brasilien bedeutete, darüber berichtete Paulo Alfredo Schönardie im Oktober 2013. Und interessanterweise machen sich auch Konzerne wie Syngenta – hier im Zusammenhang mit IFAD – für eine kleinbäuerliche Landwirtschaft stark. Ob es hierbei wirklich um Ernährungssouveränität geht oder bloß um neue Formen der Abhängigkeit als Vertragsbauer, ist deshalb fraglich. Schwer vorstellbar ist auch die PPP des Welternährungsprogrammes WFP mit einschlägig bekannten Konzernen wie Unilever …

Einen von Konzernen unabhängigen Weg geht anscheinend die Organisation OTEPIC in Kenia.

++++++++ A LIVING WAGE – A HUMAN RIGHT: Kampagne für Existenz sichernde Löhne +++++ WIR HABEN ES SATT, DASS ANDERE HUNGERN ++++++++++++ HIER die offizielle Transfair-Website +++ und HIER die fairtrade.de-Website, die näher auf Kritik am fairen Handel eingeht ++++++++++++++++++ ABOUT SHIPBREAKING – über das Abwracken von Schiffen und Arbeitsbedingungen +++++++++++++++++ „The Corporation“ (Der Konzern). Kanadischer Dokumentarfilm über Konzerne und Geschäftspraktiken – HIER besprochen in der D. O. – Sendung vom Juli 2014

+++++++++++++++++++++++++

MAKE FRUIT FAIR ist eine Kampagne, die ähnlich wie „Make IT fair“ oder „Make Chocolate fair“ für fairen Handel aktiv ist. (Ergänzung 06.02.15)

letzte Änderungen: September 2016

von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 21. November 2014
Themen - Kategorien: Gesellschaft, Gesundheit, Kommentare, Landwirtschaft, Ernährung, Notrufe, Kriege, Krisen, Politik - International, Verbraucher - Info, Wirtschaft
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