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Biokunststoff von chemisch behandelten Mais-Monokulturen

Im Maisfeld (oder: Maisgürtel), Süddakota USA. ©2008 Lars Plougmann CC BY-SA. Wikimedia Commons

Im Maisfeld (oder: Maisgürtel), Süddakota USA. © 2008 Lars Plougmann CC BY-SA. Wikimedia Commons

Mit den Biokunststoffen kündigt sich eine zusätzliche Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion an, ebenso der gleiche Konflikt wie beim Biogas oder Biosprit um die Frage, wie bio das Ding wirklich ist. Nun kann das Wort bio genauso wenig geschützt werden wie fair oder schön. Der Schritt weg vom Erdöl war längst überfällig. Erdölfrei kann jedoch kein einziger Agrarrohstoff aus konventioneller Landwirtschaft sein. Selbst der Biobauer ist nicht völlig erdölfrei, solange sein Trecker kein recyceltes Altöl oder Salatöl aus ökologischer Landwirtschaft schluckt. Wer in den USA PLA bestellt, um daraus ein Bio-Handy zu bauen, landet nicht in Mexiko, dem Ursprungszentrum des Mais, sondern bei patentiertem, genverändertem Mais von Monsanto und im Maisgürtel der USA. 2012 erlebte diese Region eine Dürre, die den Landwirtschaftsminister zum Beten gebracht haben soll. Nach Angaben des Deutschen Institutes für Entwicklungspolitik von 2009 müsste er das nicht.

BASF räumt in einer Produktbroschüre zu Ecoflex und Ecovio allerdings auch ein, dass „bioabbaubare oder biobasierte Kunststoffe nicht generell umweltfreundlicher“ sind. Im verlinkten Artikel zum „Bio-Handy“ steht mehr darüber, wie Maisstärke zu PLA wird. Die Produktion von Bioplastik braucht oft Chemie und viel Energie. Es gibt noch andere Biokunststoffe, PHB (hier Info auf chemie.de) oder Mater-Bi (siehe Suchbegriff auf plasticker.de). Der PLA-Kunststoff Ingeo ist übrigens das Patent einer Tochterfirma von Dow Chemical und Cargill (NatureWorks). Archer Daniels Midland ist mit im Rennen um Biokunststoffe, außerdem DuPont, die Biotechnologie- und Polymersparte von Thyssen Krupp Uhde, die Bayer AG. Das Komplettpaket einige dieser Konzerne – patentiertes Saatgut, Agrochemie, patentierter Kunststoff aus NaWaRos – ist schlau, aber alles andere als bio.

Also ab mit dem Bioplastik-Teller in die industrielle Kompostieranlage, wo er in Wasser und CO2 (na!) zerlegt wird, sofern er die dazu benötigte Zeit tatsächlich bekommt? Grundsätzlich können alle Kunststoff-Pflanzen gentechnikfreie Sorten in ökologischer Mischkultur sein. Denn alle Landpflanzen bauen und speichern Stärke! Topinambur enthält viel davon, und Kastanien sogar so viel wie Kartoffeln oder Weizen. Kunststoff kann aus Zuckerrüben, Cellulose oder Leinöl hergestellt werden. Mit Disteln wurden Versuche durchgeführt, Flachs eignet sich, und in Mexiko wird aus Avocadokernen Harz zur Herstellung von Bioplastik produziert. Eine weitere Alternative ist das Lignin vom Baum (Arboform). Lignin liefert allerdings die Papierindustrie. Noch eine Alternative? Biokunststoff aus Kunststoffmüll. Biogeschirr gibt es auch als essbares Geschirr
Eine ähnliche Vielfalt gibt es bei der Biogas-Herstellung, und auch Biogas kann aus Restbeständen entstehen: aus Speiseresten, Gartenabfällen, Klärschlamm, Fäkalien. Ähnliches Spiel mit Strom: Rohstoff kann neben Wind, Wasser oder Sonne auch Urin oder Müll sein …

Anm. D. O.: der Artikel wurde am 10.03.15 aktualisiert.
Hier ist noch Platz für Ergänzungen rund um das Thema:

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von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 6. März 2015
Themen - Kategorien: Landwirtschaft, Ernährung, Politik - International, Verbraucher - Info, Wirtschaft
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