Creative Commons LizenzvertragSendungen, Artikel: CC BY-NC-ND 3.0 DE | D. O. abonnieren (RSS) | 17-Dec-2018 - UTC

Apocalypse No

Astronautin Tracy Caldwell-Dyson blickt von der ISS aus auf den Blauen Planeten ... 2010 NASA, PD. Wikimedia Commons

Astronautin Tracy Caldwell-Dyson blickt von der ISS aus auf den Blauen Planeten … 2010 NASA, PD. Wikimedia Commons

Der Blick aus sicherer Distanz ist natürlich entspannter, und die Entfernungen zwischen der ISS und #Dadaab oder #Idomeni sind in mehrerer Hinsicht immens. Doch sprechen viele Informationen dafür, dass drängende Probleme dieser Welt lösbarer wären, als es oft dargestellt wird. Wo soll es hingehen: in eine lebenswerte Zukunft, oder in düstere Science-Fiction-Visionen? So wie in „Jahr 2022 … die überleben wollen“, einer Verfilmung des Romans New York 1999? Das Buch erschien 1966. Harry Harrison wies auf den Ressourcenverbrauch der USA hin und sah Kämpfe voraus, würde sich der Kurs nicht ändern. Interviews von Kontext TV auf dem letzten Klimagipfel zeigen, dass die Industrienationen ihren Kurs kaum geändert haben. Die Erfolge der Wirtschaftswunderzeit schienen sie ja gerade zu bestätigen – solange nur andere die Belastungen ertragen mussten. Die Landwirtschaft wurde ebenfalls intensiviert und brachte die gewünschten Ergebnisse. So wirkten Warnungen der Biologin und Zoologin Rachel Carson, die 1962 Umweltschäden durch chemischen Pflanzenschutz beschrieb, nicht lange. Doch teilten in den 1970ern Organisationen wie die Friends of the Earth International, oder ein deutsches Mitglied, der BUND, die von Carson formulierten Sorgen. Bereits seit 1950 gibt es den Deutschen Naturschutzring.
Die Erde, ein Ausschnitt anhand von Natural Earth Daten - Wikimedia Commons Ktrinko, CC BY-SA 2010

Die Erde, ein Ausschnitt anhand von Natural Earth Daten – Wikimedia Commons. Tom Patterson et al., Projektion Robinson, Ktrinko, CC BY-SA 2010

Eine Frage können Naturschutzorganisationen nicht beantworten: lässt sich Produktion und Wirtschaft wirklich nicht mit Umweltschutz, Klimaschutz, maßvollem Ressourcenverbrauch, und partnerschaftlicher Zusammenarbeit verknüpfen?

Ein Konzept heißt Cradle to Cradle, wörtlich Wiege zur Wiege. Müll wird Rohstoff, also müssen die Materialien wieder verwendbar sein. Die Stiftung Futurzwei sammelt geradezu Beispiele nachhaltiger Produktion.
Aus der Landwirtschaft kommen Lösungen: HIER aus afrikanischen Ländern, aus den USA oder der Schweiz, aus Deutschland, Laos, Brasilien, Bhutan, Niger, oder von den Philippinen … Es gibt den fairen Welthandel, sogar eine World Fair Trade Organization. Das Prinzip Win-Win klappt, nur können die nicht die geforderte Billigmassenware liefern. Und: es ist auch genug Nahrung für alle da. Das kann man u. v. a. hier nachlesen, oder hier. Einige Stellschrauben wurden noch nicht mal gedreht. Lebensmittelverschwendung geht weiter, da bieten Wissenschaftler schon gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere an, was die Produktivität steigern soll, und Ansätze wie das vertical farming werden vorgeschlagen. Gegen Klimawandel wurde wiederholt auf sinnvolle Maßnahmen hingewiesen, etwa hier, hier, hier, und doch ist schon Geo-Engineering im Angebot.

Anfang der 1970er versuchten Aktivisten, US-amerikanische Atomtests zu verhindern. Sie kamen per Schiff und nannten es Greenpeace. Die Verbindung aus Krieg, Umweltzerstörung, Energie/Ressourcen und Wirtschaft ist bis heute nicht gelöst worden. Die deutschen „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ sagen das recht deutlich. Andererseits exportiert Deutschland Rüstungsgüter, was Kriege nur befeuert, und letztlich auch verteidigungspolitisch unlogisch ist. Geostrategie und Egoismus heizen Konflikte ebenfalls an. „Öl ist zu wichtig, um es den Arabern zu überlassen“, sagte der frühere US-Außenminister Kissinger, und manche britische Politiker teilten diese Ansicht. Der Neffe John F. Kennedys geht so weit, dass er den heutigen Krieg in Syrien für einen Energiekrieg hält – geführt für eine Erdgaspipeline von Katar bis in die EU. Wie auch immer: Gasversorgung geht leichter, unschädlicher. In der letzten Sendung von D. O. wurde das anhand vieler Quellenangaben dokumentiert.
Atomkraft und Kohlestrom sind darüber hinaus aufwändig, umweltschädlich, teils sehr riskant, also unterm Strich sehr teuer. Doch sind die Alternativen ja schon da. Die erneuerbaren Energien

Die Erde, ein Ausschnitt anhand von Natural Earth Daten - Wikimedia Commons Ktrinko, CC BY-SA 2010

Die Erde, ein Ausschnitt anhand von Natural Earth Daten – Wikimedia Commons. Tom Patterson et al., Projektion Robinson Ktrinko, CC BY-SA 2010

leisten ihren unverzichtbaren Beitrag, und sie „boomen weltweit“. Sie können Entwicklungs- und Schwellenländer schneller und umweltfreundlicher mit Energie versorgen als Atomkraft oder Kohle es je könnten.

Terrorismus ist ein weiteres, drängendes Problem, das auch mit Verteilungskämpfen, Not, Hunger zusammenhängt. Deshalb werden Wirtschaftswachstum und Jobs als Gegenmittel diskutiert. Die pakistanischen Arbeiter/innen, die 2012 beim Fabrikbrand ums Leben kamen, hatten Jobs. Ohne die hätten sie hungern müssen, und mit Job blieben sie arm. Die Mehrheit der unter Terrorismusverdacht gestellten Flüchtlinge zieht selbst bittere Armut einer Rekrutierung durch Terrorgruppen vor, das erfuhr Ben Rawlence im weltgrößten Flüchtlingslager Dadaab, Kenia. Dort leben mehrheitlich Somalier, die genug Grund und Gelegenheit gehabt hätten. Nachdem Pakistan kürzlich erneut von Attentaten erschüttert wurde, sagte eine pakistanische Menschenrechtlerin, der Terror sei „gezüchtet“ worden – von der Regierung und paramilitärischen Gruppen. Der Dokumentarfilm „Among the Believers“ (unter den Gläubigen), beschreibt den Nährboden für Terrorismus: Armut, Unterdrückung, fehlende Rechtsstaatlichkeit. Doch geht es auch um Überlegenheitsgefühle, Macht, Ideologie, Rache, Identität.
Gäbe es diese direkte Linie von Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Armut zum Terrorismus, dann könnte man auch in Europa fragen, warum nicht in #Griechenland eine landesweite Hetzbewegung wie Pegida entstand, die der Terrorgruppe NSU nur recht sein konnte, sondern in Deutschland. Das außerdem eine traurige Bilanz ausländerfeindlich motivierter Anschläge vorweist.
Auch Krieg oder Überwachung nach Gießkannenprinzip funktionierten nicht als Gegengift zum Terrorismus. Das wurde ausführlich besprochen, u. v. a. HIER, HIER, HIER, HIER oder HIER. Es wurde berichtet, dass Attentäter der Polizei oder den Geheimdiensten schon vorher bekannt waren. Aus unterschiedlichen Gründen verfolgte man das aber nicht weiter. Paris, Brüssel, … und ja, auch New York im Jahr 2001. Ein Kommentar der „taz“ weist im Zusammenhang mit dem Bashing belgischer Behörden auf Fehler und Versagen deutscher Behörden hin.

Das Auseinanderdriften von Arm und Reich ist trotzdem gesellschaftlicher Zündstoff. Wirtschaft oder Soziales? Liberalisierung oder Regulierung? In Deutschland werden gern die „zu hohen“ Ausgaben für Soziales beklagt, auch im Zusammenhang mit Flüchtlingen, und dies ist auch Dauerthema auf fremdenfeindlichen Kundgebungen. Österreichs Sozialminister Alois Stöger wehrt ab: „Den Menschen die Existenzsicherung zu nehmen, schafft keine Arbeit – im Gegenteil: ich muss den Leuten vernünftige Kaufkraft zugestehen, damit wirtschaftliche Dynamik entsteht.“ Bei Kürzungen von Asylbewerberleistungen sah Stöger „städtische Slums“ entstehen und sagte, dass es hinterher viel Geld kosten werde, um die so geschaffenen sozialen Probleme zu bekämpfen. Das Wifo-Institut in Österreich sah in Ausgaben für Flüchtlingshilfe sogar ein Wirtschaftsfaktor. Es war der neue Präsident des als eher wirtschaftsliberal bekannten, deutschen ifo-Institutes, der sagte, er sei dafür, die Menschen aufzunehmen, „aber aus Solidarität, nicht weil das ein Geschäft ist.“

Astronautin Tracy Caldwell-Dyson blickt von der ISS aus auf den Blauen Planeten ... 2010 NASA, PD. Wikimedia Commons

Astronautin Tracy Caldwell-Dyson blickt von der ISS aus auf den Blauen Planeten … 2010 NASA, PD. Wikimedia Commons

In den USA trägt ein breites Bündnis die Kampagne „Social Security Works – soziale Sicherheit funktioniert. Die Einführung von Sozialleistungen in Entwicklungs- und Schwellenländern hat viele Befürworter. Mehr noch: das Bedingungslose Grundeinkommen wurde in Namibia oder Brasilien bereits erfolgreich getestet. Die größte Befürchtung, Sozialleistungen machen faul, erwies sich als Irrtum. Konzepte wie Gemeinwohlökonomie, Komplementärwährungen oder solidarische Ökonomie sollen die Wirtschaft wieder mit den Menschen verbinden. Sogar unter Volkswirten werden herkömmliche Lehren hinterfragt. Der Freihandel steht in Frage – Motor oder Freispiel für eine handvoll Konzerne? Im „EconTalk“ März 2016 sprach David Autor (MIT) über das Verschwinden von Jobs in Kommunen der USA im Handel mit China, und fast 300 deutsche Kommunen sprachen sich gegen das anstehende Freihandelsabkommen TTIP in seiner jetzigen Form aus. Bedenken äußerte außerdem der „Bundesverband mittelständische Wirtschaft“ – und das ist nur die unvollständige Übersicht kritischer Stimmen, auch nur aus Deutschland! Weniger „Entwederoderismus“ hätte solche Reibungen im Vorfeld vielleicht verhindern und drohenden Konflikten vorbeugen können. In einem anderen Zusammenhang, bei einem polnisch-ukrainischen Historikertreffen, sagte ein Teilnehmer: „… wenn sich die Historiker treffen, austauschen, und, statt um den Apfel zu zanken, ihn gemeinsam aufessen.“ … Linktipps:


Die Überschrift des Artikels spielt etwas auf den Film Apocalypse Now von 1979 an, der Sinnlosigkeit und Wahnsinn des Vietnam-Krieges (aus US-Soldatensicht) hervorhob.


… und HIER folgen in wahlloser, zwangloser Reihenfolge inspirierende, kreative, freundliche Beiträge zur Verschönerung unserer Welt …

+++ der französische Rabbi in muslimisch geprägten Vierteln +++ Salaam-Schalom in Berlin-Neukölln +++ ein Fotojournalist schrieb einen offenen Brief an Donald Trump, der auf facebook Zustimmung in Millionenhöhe bekam. Er schrieb u. a.: „And over the last two years I have conducted extensive interviews with hundreds of Muslims, chosen at random, on the streets of Iran, Iraq, and Pakistan. I’ve also interviewed hundreds of Syrian and Iraqi refugees across seven different countries. And I can confirm— the hateful one is you.“ (Und während der letzten zwei Jahre führte ich ausführliche Interviews mit hunderten von Muslimen, zufällig auf den Straßen von Iran, Irak und Pakistan ausgewählt. Ich habe auch hunderte syrische und irakische Flüchtlinge in sieben verschiedenen Ländern interviewt. Und ich kann bestätigen – der Hasserfüllte sind Sie.“ +++ Dokumentarfilm-Regisseur Carl A. Fechner spricht über Menschen, die die Energiewende voranbringen, u. a. auch in der UKRAINE! +++ helfende Hände in Ausnahmesituationen … +++ internationale helfende Hände in Syrien, der Türkei, Griechenland und entlang der Balkanroute bis nach Deutschland … in Syrien selbst, und Infos zur lange Zeit sehr großen Aufnahmebereitschaft im Libanon oder in der Türkei (siehe einzelne Artikel) +++ Jemen und Somalia: erst flüchteten Somalier nach Jemen, jetzt ist es umgekehrt … „Zwar haben wir eine unterschiedliche Kultur und sprechen eine andere Sprache (…) Unsere jemenitischen Brüder und Schwestern waren es, die es den Somaliern zuerst erlaubt haben, ihr Land ohne Visum zu betreten.“ +++

+++ das Morgenland Festival Osnabrück, mit einem Presse-Echo bis zur Tehran Times … +++ Vortrag auf einer Veranstaltung von medico international zum „Neoliberalismus in der Psychotherapie“. Ein Therapeut spricht vom Missbrauch des Resilienz-Konzeptes (d. h. Widerstandsfähigkeit) und erwähnt u. a. auch Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen +++ ein japanisch-philippinisches Gipfeltreffen zum Thema gesunde Ernährung und Ernährungssicherheit, mit „ATC solidarity partners from different countries“ … +++ eine der ältesten Erhaltungszüchter-Organisationen hat Grund zum Feiern +++ der Energie-Erlebnispark und Dämmen mit Seegras in Norddeutschland … +++ Casa Verdi in Italien: das vom Komponisten Giuseppe Verdi (1813 – 1901) gegründete Altersheim für professionelle Musiker/innen, Künstler/innen, auch mittellose +++ Somalia: Hoffnungsschimmer in Somaliland und Puntland, auch wenn die Situation nach wie vor schwierig ist und viele junge Menschen von Europa träumen +++

von: Sylvia Schmidt veröffentlicht am 1. April 2016
Themen - Kategorien: Energie, Frieden, Gesellschaft, Gesundheit, Kommentare, Landwirtschaft, Ernährung, Medien, Notrufe, Kriege, Krisen, Politik - International, Umweltschutz, Wirtschaft
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