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Weltreise – der Inselstaat Philippinen. Viele Seiten einer Medaille …

26. April 2015

Totenwache für die ehemalige Präsidentin, Corazon Aquino "Tante Cory" 2009 in Manila, Philippinen. Foto © Howard the Duck CC BY-SA, auf Wikimedia Commons

Totenwache für die ehemalige Präsidentin, Corazon Aquino „Tante Cory“ 2009 in Manila, Philippinen. Nur ein Ausschnitt der großen Prozession. Foto © Howard the Duck CC BY-SA, auf Wikimedia Commons (das von der .net-Website noch bekannte Bild der Magalona-Kinder steht nicht mehr unter Public Domain auf Wikimedia Commons)

Als der „Filipino King of Rap“ Francis Magalona 2009 starb, gab es ein Staatsbegräbnis, auch die frühere Präsidentin kam zur Totenwache.  Corazon Aquino starb im gleichen Jahr und wurde von Menschenmassen mit Respekt verabschiedet. 1983 hatten Schergen des Diktators Ferdinand Marcos ihren Mann, einen Senator und Oppositionellen, ermordet. Danach stellte sich ein großer Teil des Volkes hinter „Cory“, die 1986 Präsidentin wurde. Skeptische Stimmen dazu kamen aus den Slums von Manila: würde die Tochter politisch einflussreicher Zuckerrohr-Oligarchen wirklich ernst machen? HIER eine subjektive Stellungnahme zu ihrer Präsidentschaft, HIER eine kritische.

Aussicht vom Sofitel Philippine Plaza Luxushotel in Manila im Taifun Nesat (Pedring) 2011. Foto © Amckern, CC BY-SA. Wikimedia Commons

… auch Naturgewalten zerren an den Philippinen. Manila im Taifun Nesat (Pedring) 2011. Foto © Amckern, CC BY-SA. Wikimedia Commons

Ihr Nachfolger Fidel Ramos hatte schon unter Marcos militärische und polizeiliche Führungspositionen inne, bevor er die Seiten wechselte. Nächster Präsident wurde Joseph Estrada, ein beliebter Action-Filmstar. Seine Amtsenthebung und Verurteilung ist umstritten, weil Regierungsmitarbeiterin und Nachfolgerin Gloria Macapagal Arroyo direkt profitierte, bevor ihre Karriere höchst unrühmlich endete.
2011 kam es zu größeren Protesten gegen den Präsidenten Benigno Aquino III.

Philippine Department of Tourism, 2011. PD, Wikimedia Commons

Landwirtschaft und Fischerei decken den Tisch … (Foto © Philippine Department of Tourism, 2011. PD, Wikimedia Commons

Gefordert wurde neben der Aufarbeitung des „Arroyo-Regimes“ das, was schon seine Mutter Corazon versprochen hatte – etwa eine Landreform, Verbesserungen für die Armen, Rechtsstaatlichkeit.

„Lebensmittel laufen“, titelte 2009 das Handelsblatt und bezog das auf eine boomende, exportorientierte Agrarindustrie und Nahrungsmittelverarbeitung. Der Bedarf im Land steige ebenfalls.

Alabang Station. 2014, TagaSanPedroAko. CC BY-SA - Wikimedia Commons

… doch schon dieser Ausblick zeigt, dass im Land etwas nicht stimmen kann. Bilder von Hafenstädten oder Fischerdörfern können einem genauso den Atem verschlagen. Anders bessere Wohngegenden, öffentliche Gebäude, Kirchen, Hotels. © 2014, TagaSanPedroAko, CC BY-SA – Wikimedia Commons

Doch: ein Drittel der philippinischen Erwerbstätigen beziehe das Einkommen im Ausland, über 28% der Filipinos seien bettelarm, schrieb 2013 ein Kommentator in der Manila Times. Und auf den Philippinen sei man verliebt in die Idee, mit möglichst wenig Aufwand, Moral und sozialem Gewissen möglichst viel Geld zu machen. (Die beschriebene Verrohung ist nicht ganz verwunderlich, denn es gibt keine soziale und medizinische Sicherung wie in nordeuropäischen Ländern). HIER ein Länderportrait der Republika ng Pilipinas, dem Land der 7.107 Inseln – von Geschichte bis Kultur, Religion und Alltag.

Batad Rice Terraces, Banaue 2012. © Captaincid, CC BY-SA Wikimedia Commons

Weltkulturerbe und Erosionsschutz: Reisterrassen von Banaue 2012. Alte Bewässerungssysteme leiten Wasser immer noch weiter. Reis kann mit Gemüse, oder im Nass-Anbau mit Fischzucht kombiniert werden. Die kärglichen Einkommen der Bauern haben andere Ursachen. © Captaincid, CC BY-SA Wikimedia Commons

Die Inseln Luzon, Leyte und Samar liegen direkt in der Einflugschneise von Taifunen (tropischen Wirbelstürmen – HIER Details). Unter anderem auf Leyte wird Rainforestation Farming (hier nicht im Bild) betrieben. Dabei wird auf ehemaligen Kokospalm-Monokulturfeldern, für die Regenwälder abgeholzt wurden, Landwirtschaft mit Wiederaufforstung kombiniert. Die Bedeutung von Bäumen bestätigt ein Dokumentarfilm der Agrar Koordination. „Zukunftsfelder – Philippinische Bauern im Klimawandel“ begleitet das von Misereor unterstützte Bauernnetzwerk MASIPAG. MASIPAG findet mit ökologischer Landwirtschaft Lösungen und setzt auch auf alte, lokal angepasste Reissorten. Dem steht eine starke in- und ausländische Lobby entgegen, deren Arm bis in die Politik reicht und mit der u. a. der Softwaregigant Bill Gates verbunden ist. Ein weiteres, ökologisches Landwirtschafts-Projekt ist ProFarmS.

Sehr wichtig für die philippinische Fischerei, für Ökosysteme und Schutz der Inseln vor Unwetter sind Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe (HIER Infos vom Zentrum für Marine Tropenökologie). Im Wasser wurde genauso Raubbau betrieben, den alle betroffenen südostasiatischen Länder nun korrigieren müssen. „Meeresschutz sichert die Ernährung“ hieß es dazu in einem Innovations-Report von 2008: philippinische Fischer auf Leyte würden zunehmend auf die schnelle Methode Sprengstoff-Fischen verzichten und zu Recht ihr Fischereigebiet energischer gegen Wilderer verteidigen.
Ein ganz anderes Potenzial hat die Stadt Paete: sie gilt als Hauptstadt der philippinischen Holzschnitzerei. Holztaschen sind teure Exportartikel. Gefährdet ist das Kunsthandwerk generell durch Massenprodukte. Die Philippinen, wo die Alphabetisierungsrate hoch und Englisch verbreitet ist, sind außerdem ein beliebter Outsourcing-Standort (mit allen bekannten Vor- und Nachteilen). Offiziell ist es möglich, zwischen privaten und staatlichen Schulen oder Universitäten zu wählen. Gebühren fallen aber auch bei den Staatlichen an. Diese seien für normale philippinische Familien „schwindelerregend hoch“, kritisierte erst kürzlich eine Studentenorganisation. weiterlesen …